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1 ½-Decker der ASEAG gefunden
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Ein
wertvolles Stück aus der Aachener Technikgeschichte
– oder:
Die kurze Geschichte einer langen Suche.
Ende
Mai 2007 erhielt ich den Anruf eines Busfans aus Wiesbaden, der mir
mitteilte, dass in der Nähe von Brüssel ein
ehemaliger 1 ½
Decker von der ASEAG
steht. Den genauen Ort könne er nicht nennen, er habe sich den
Weg nicht gemerkt. Im Juli würde er aber in diese Gegend
fahren
und mir dann die Wegbeschreibung geben. Zudem sagte er zu, schon
einmal Fotos des gesichteten Busses an mich zu übermitteln.
Ich
war wie elektrisiert – ein 1 ½ Decker von der
ASEAG,
unglaublich: Nachdem einige Busfans und ich vor vielen Jahren
intensiv nach einem solchen Fahrzeug gesucht und geforscht hatten,
war ich der Überzeugung, dass kein Exemplar mehr existiert.
Nachdem das Gespräch beendet war, berichtete ich meinem Chef,
Herrn Ratz, von dieser aufregenden Neuheit. Auch er war nicht
unbeeindruckt.
Ein
wertvoller Tipp
Während
der folgenden und nervenaufreibenden Wartezeit konnten wir anhand der
gesendeten Fotos (Fahrgestell-Nr., Typenschild, Wagennummer 197) in
unseren Unterlagen recherchieren und stellten fest, dass es sich in
der Tat um einen ehemaligen ASEAG-Bus
handeln musste.
Im
Juli rief ich meinen Informanten an. Er vertröstete mich auf
Ende August – aber dieses Warten…! Zumal von einem
Aachener
Busfan ein weiterer Tipp kam: Nähe Namur bei einem
Weinhändler.
Ebenso erhielt ich aus Essen einen Anruf, ob mir bekannt sei, dass in
Belgien ein 1 ½ Decker von der ASEAG
steht; auch im Ruhrgebiet habe man Interesse an dem Oldtimer. Ich
antwortete, wir seien an dem Fahrzeug dran, worauf mir mein
Gesprächspartner sagte: „Dann halten wir noch die
Füße
still.“ Da soll man nicht nervös werden!
Dann
genug des Wartens. An einem Sonntag rief ich einen Bekannten an und
fragte, ob er mich „mal eben“ nach Namur begleiten
könne,
ich würde ihm während der Autofahrt berichten, worum
es
sich handelt. Ob er davon begeistert war, sei dahin gestellt
– aber
der Ausflug fand statt.
Die
Nadel im Heuhaufen
Bis
zur Autobahnabfahrt Namur ging es flott, aber die Suche nach unserem
alten Schätzchen erwies sich doch schwieriger als gedacht.
Weites Land, kleine Dörfer, keine Menschenseele auf den
Straßen.
Bei jedem Haus, das wir erspähten, sprang ich aus dem Auto, um
zu sehen, ob nicht irgendwo das begehrte Objekt in einem Hinterhof
steht. So ging es stundenlang. Dem Aufgeben nahe hielten wir
schließlich an, um auf unserer Landkarte zu schauen, wo es
wieder Richtung Autobahn geht – als mein Mitfahrer sagte:
„Schau
mal was dort steht.“
Mit
der Kamera bewaffnet sprang ich aufgeregt aus dem Wagen und war
fassungslos, diesen Riesen vor mir zu sehen. Während ich
fotografierte, kam der Besitzer von einer Radtour zurück und
öffnete mir die Bustür, damit ich den Bus von innen
fotografieren konnte. Ich fragte ihn, ob er ihn verkaufen
würde
und er sagte, eigentlich wollte er nicht verkaufen, er würde
jedoch darüber nachdenken. Daraufhin fragte ich ihn nach dem
Preis – für den Fall, dass er verkaufen
würde. Die Summe
nahm ich demonstrativ „cool“ zur Kenntnis, mein
brennendes
Interesse sollte nicht erkennbar sein.
Die
Sache kommt ins Rollen
Wir
tauschten unsere Adressen aus und ich versprach, mich zu melden.
Sicherheitshalber fotografierte ich das Schaufenster des
Busbesitzers, dort war die komplette Anschrift zu lesen. Denn vom
langen Suchen hatte ich vorerst genug. Auf der Heimfahrt war ich im
siebten Himmel, hatte ich mich doch verliebt – und dieses Mal
nicht
in einen Mann. Spontan fiel mir unser Partnerunternehmer Herr
Pauly vom belgischen Busunternehmen S.A.D.A.R. ein, den wir für
die
Verhandlungen und für die Übersetzung um Hilfe bitten
könnten. Zu Hause angekommen konnte ich es mir nicht
verkneifen,
Herrn Ratz anzurufen, um ihm von unserem Fund zu berichten.

Nun
hieß es für Herrn Ratz und mich, unseren Vorstand,
Herrn
Appel, davon zu überzeugen, dieses
„rollende“
Stück Geschichte zurück nach Aachen zu
holen. Herr
Appel war
nicht abgeneigt, Bedingung war jedoch eine technische Begutachtung
durch die Werkstatt.
Gesagt,
getan: Nachdem Herr Pauly seine Hilfe zugesagt hatte, brach eine
ganze Gruppe in Richtung Namur auf: Herr Pauly, sein technischer
Leiter, Herr Belmessieri, Herr Ratz, Herr Wolf (Kfz-Meister) und ich.
Dieses Mal waren wir mit einem Navigationsgerät
ausgerüstet
– und trotzdem haben wir uns einmal leicht verfahren.
Technische
Begutachtung vor Ort
Der
Besitzer wartete schon auf uns. Ich möchte jetzt nicht alle
Details der technischen Begutachtung aufzählen, die Gesichter
(siehe Fotos) sprechen für sich. Eine Probefahrt war angesagt,
Kennzeichen hatte Herr Pauly mitgebracht. Der Bus sprang sofort an,
er qualmte jedoch beim Fahren. Nachdem der Besitzer ein paar Mal
herzhaft die Handbremse gezogen hat, hörte das Qualmen auf.
Ich
spielte in dieser Zeit die Betrachterin und schaute die Gutachter
immer wieder ängstlich an – wie würde ihr
Urteil
ausfallen? Für Herrn Pauly war die geforderte Kaufsumme
deutlich
zu hoch, er bot in unserem Namen einen deutlich geringeren Preis. Der
Besitzer war wenig begeistert – sagte aber auch nicht Nein.
Am Ende
vereinbarten wir eine Bedenkzeit, mit der Zusage, uns erneut zu
melden.



Nach
der technischen Begutachtung holte sich Herr Ratz die Zustimmung von
Herrn Appel. Nun hieß es abwarten, wie die Verhandlungen
durch
Herrn Pauly in Sachen Kaufpreis ausgehen würden. Noch einmal
Warten – eine Woche und ein langes Wochenende. Dann rief Herr
Pauly
an und sagte: „Es hat geklappt.“ Wir
würden den Bus zu dem
von ihm vorgeschlagenen Preis bekommen.

Überraschung
zum Sommerfest
Nun
kam alles ins Rollen: Nachdem der Kaufvertrag unterschrieben war,
stellte sich die nächste Frage: Wann
werden wir unseren 1 ½ Decker abholen, bisher war alles im
Geheimen abgewickelt worden. Nur ganz wenige waren eingeweiht und der
Bus sollte eine Überraschung werden.
Zum
ersten Mal sollte 2007 ein Werkstatt-Sommerfest stattfinden. Herr
Ratz und seine Kfz-Meister hatten dies für den 31. August
geplant und organisiert. Nun hatte Herr Wolf die Idee, unseren Oldie
pünktlich zu Beginn unseres Sommerfestes, bevor die
Würstchen
auf dem Grill liegen, nach Hause zu schleppen (daher die
Zwischenstation bei S.A.D.A.R). Es hat alles geklappt. Rolf Lynen
wird von der Überführung berichten.
Was
ich übrigens schon verraten kann: Ein Werkstatt-Sommerfest
wird
es im kommenden August wieder geben… kommt da wieder ein Bus?
Dank
an unsere Helfer
An
dieser Stelle möchte ich einen Riesendank an Herrn Pauly
aussprechen, der uns mit seiner Beharrlichkeit beim Kauf geholfen
hat. Dank auch an seinen Mitarbeiter Herrn Roger Belmessieri, der uns
nicht nur bei der technischen Begutachtung, sondern auch bei der
Überführung in die Heimat geholfen hat. Ebenfalls
Dank an
Wolfgang Leufen (ein Busfan), der den Schriftverkehr zwischen dem
Besitzer und mir in Windeseile vom Französischen ins Deutsche
und umgekehrt übersetzt hat. Dies war unter anderem von
Nöten,
um verwaltungstechnische Dinge zu regeln. Ebenfalls Dank an alle, die
mit Informationen geholfen haben und hier namentlich nicht genannt
werden. Jedes kleine Mosaiksteinchen hat zum Erfolg
beigetragen.

Martina
Heckhoff

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